Die Prophezeiung

August 23rd, 2010

Akt 1 – Die Kirche

Steine, von grünem Moos überzogen und vom Zahn der Zeit zerfressen. Die spärlichen Strahlen der Sonne, die sich auf ihnen spiegeln und brechen und so dem Gemäuer einen gespenstisch mystischen Schein verleihen. Eine alte Kapelle, die auf schwarzer Erde gebaut wurde. Einst gebaut, um das Böse zu bannen, das hier herrschte, doch haben im Laufe der Zeit die Steine die schwarze Magie, die diesem unheiligen Ort innewohnt, in sich aufgesogen. So hat sich dieses Gemäuer zu einer Kathedrale der schwarzen Magie verwandelt in der wieder das Böse herrscht.
Und inmitten dieser Kathedrale sitze ich, auf einem Thron aus Knochen, dort, wo einst ein Altar zur Anpreisung eines schwachen Gottes stand. Umgeben von Tausenden von bösen Geistern und Dämonen, die diese Gemäuer durchstöbern, in der Hoffnung, daß sich unschuldige Seelen in dieses Gebäude wagen. Verlorene Seelen, welche sie dann jagen, quälen und vernichten können. So wurde ein neuer Kultplatz geboren, eine Kirche Satanas.
Als Alchimist war ich auf der Suche nach dem Geheimnis des ewigen Lebens und so gelangte ich an diesen Ort. Nun beschäftige ich mich mit dem Studium alter Hexenbücher, den Büchern der schwarzen Magie. Wort für Wort brennen sich die Beschwörungen in mein Hirn. Zauberformeln, mächtiger als jede Waffe, geschrieben von Wesen aus einer anderen Welt. Das Studium dieser Bücher läßt mich teilweise in Trancezustände verfallen. So suche ich nun seit Jahren nach der Formel des ewigen Lebens.
Gefangen im Strudel meiner Träume, Träume meiner Weltherrschaft, die kommen wird. Träume, die mich mit Freude erfüllen. Träume einer Herrschaft, gebaut auf Tod, Blut und Verderben. Eine Regierung der Angst.
Zerstückelte Kadaver, soweit meine Augen reichen, ein Meer aus Blut, aus dem ich trinke. Das Blut meiner Feinde. Ihre Köpfe vom Rumpf abgetrennt und auf Pfählen aufgespießt. Schreie dringen an mein Ohr. Schreie des Todes und der Qual, von Menschen, die zu meiner Belustigung gefoltert werden. Tausende von Leichen, aufgehäuft. Von meinen willenlosen Dienern hingerichtet und geschändet. Anblicke, die mich in Erregung versetzen, die mein Herz erfreuen. Der süße Duft von verfaulendem Fleisch, der mich befriedigt, willenlose Geschöpfe als Diener, eine Herrschaft, die nie Enden wird…..
Ich verlasse diese Traumwelt wieder und betrete das Reich der Realität, eine Realität, die mich in Trauer an meine Träume denken läßt. Doch ich setze das Studium der Bücher fort, es gibt noch so viele Formeln, die ich noch lernen muß, Formeln zur Verwandlung in einen Wolf oder in andere Bestien. Formeln, die mir neue Dimensionen des Daseins eröffnen, mit deren Hilfe ich meinen Blutdurst stillen kann.
Formeln, die meine Machtdurst löschen…..nekrophile Spiele, die mein Herz erfreuen.

Akt 2 – Die Jagd

Endlich ist es soweit, ich habe einen Weg gefunden, wie ich meinen Blutdurst stillen kann. Das Verlangen nach rohem Fleisch und warmem Blut. Durch die Verwandlung in einen Wolf kann ich nun endlich meine sadistischen Triebe ausleben. Das Vermächtnis einer mächtigen Hexe, die einst von der Inquisition hingerichtet wurde, wenn sie wüßten, daß wir schwarze Seelen durch den Tod uns erst richtig entfalten können.
Lautlos verlasse ich in der Gestalt eines großen schwarzen Wolfes die Kirche und begebe mich auf die Jagd. Ich schleiche durch das Unterholz auf der Suche nach frischem Fleisch. Nur mein dumpfes Schnaufen und die rot leuchtenden Augen verraten mich.
Aus der Ferne dringen Laute meines Opfers an meine Ohren, der sorgenlose Gesang eines unschuldigen Menschen. Gesänge, die ich verabscheue. Kirchengesänge. Auf einer kleinen Lichtung macht mein Opfer rast. Ein verabscheuungswürdiges Geschöpf, ein junger Priester.
Doch sehr junges und unschuldiges Fleisch, ein Festmahl für mich. Ein würdiges Opfer für die erste Jagd.
Lautlos nähere ich mich ihm, kann schon das Blut in seinen Adern riechen. Sehe im Geiste schon, wie sich meine Zähne in sein Fleisch bohren, wie ich seinen Leib zerfetze und sein Inneres seziere.
Doch plötzlich bemerkt er mich. Wilde Panik ergreift seinen Geist. In wilder Hast ergreift er die Flucht, das Spiel kann beginnen!
Die Angst in seinen Augen, ein Anblick, der mein Herz erfreut. Ich jage ihm nach, ich weiß, er hat keine Chance. Ein erhebendes Gefühl der absoluten Macht über diese verletzliche Kreatur. Äste reißen Narben in seine Haut, Blut quillt aus seinen Wunden und fließt über seine Arme. Blutstropfen fallen zu Boden, zeichnen eine rote Spur auf den trockenen Waldboden.
Ich komme immer näher, es gibt für ihn kein entkommen.
Ein kurzer Sprung, schreiend fällt er zu Boden. Meine Krallen reißen Hautfetzen aus seinem Rücken. Ein letzter Schrei, ein Schrei des blanken Entsetzens, sein Todesschrei.
In wilder Gier beiße ich ihm in die Kehle, sein warmes Blut fließt in meinen Rachen, das Elixier des Lebens. Mit Freuden höre ich seine Todesschreie, die in einem Gurgeln ersticken.
Gierig reiße ich das Fleisch von den Knochen, welch köstliches Mahl. Junges unschuldiges Fleisch, eine Delikatesse für mich. Ein weiteres Opfer, welches meiner Gier nach Schmerzen und Blut zum Opfer fiel.
Nur noch die blutigen Knochen zeugen von der Tat….die Jagd ist beendet.

Akt 3 – Visionen

Ein Trank der schwarzen Magie, gebraut in einer Nacht des Teufels. Ein altes Rezept der Alchimisten, entdeckt vor hunderten von Jahren. Eine Droge, die es mir erlaubt in die Zukunft zu sehen.
Wieder sitze ich auf meinem Thron, der Geist schon leicht benebelt durch den Trank. Der Strudel der Visionen saugt mich in sich auf, meine Seele begibt sich auf eine Reise. Eine Reise in andere Dimensionen, auf den Weg zur Hölle.
Ein Strudel aus grauweißem Nebel umgibt mich, verschlingt mich, wird ein Teil von meinem Bewußtsein. Aus diesem Schleier kristallisiert sich langsam eine Gestalt. Erst ein Schatten, doch langsam wird das Bild klarer.
Eine Fratze, abscheulich anzusehen, Gesichtszüge die nur aus Haß bestehen. Eine weiße Maske mit Blut tausender unschuldiger Seelen bespritzt.
Es ist mein Herr und Meister: Luzifer!
Ein gefallener Engel, der mächtiger wurde als Gott selber. Die Personifizierung des Bösen und aller Lüste, denen ich ergeben bin.
Plötzlich sehe ich meinen eigenen nackten Körper, wie er sich verwandelt. Fühle unendliche Schmerzen. Blut rinnt aus all meinen Poren. Ich verwandle mich in einen Engel des Todes, grausamer als Satan selber.
Nun endlich erkenne ich mein richtiges ich, meine Bestimmung, meine Zukunft. Ich bin der Sohn des Teufels, der Vernichter, der seine Armeen in den ewigen Sieg führen soll.
Als Inkarnation seiner soll ich die Menschheit unterjochen und versklaven.
Ich stehe in einem Meer aus schwarzem Wasser und trinke daraus. Wie Feuer verbrennt es meine Innereien, füllt mich mit all dem Haß der Welt. Sämtliche menschlichen Gefühle wurden vernichtet. Ich bin nun das Böse!
Meine Reise geht weiter, mein kommendes Schicksal spielt sich vor meinen Augen ab. Die Inquisition, die mich vernichten will. Gottes schwarze Legion.
Mein Körper mit blutenden Wunden überzogen, die Handschrift der Inquisition, ihrer Folter. Kaltes Blut, das zu Boden fällt, das Zeichen des Todes. Die verfluchten Gesichter derer, die mich töten wollen. Ich sehe wie ihre Gesichter von Maden und Würmern zerfressen werden. Sie wollen mich töten, der Tod durch das Feuer, der Scheiterhaufen. Doch dadurch erreiche ich nur mein so lang gesuchtes Ziel, das ewige Leben. Sie sind es, die mich zum Sohne Satanas machen, der ihnen dann den Tod und die ewige Verdammnis bringen wird.
Ich sehe, wie die Flammen mein Fleisch verschlingen, mein eigener Tod, der keiner ist. Der Gesang der schwarzen Engel dringt an meine Ohren, das Zeichen meiner Erlösung von sämtlichen irdischen Qualen und Schwächen.
Doch wieder verwandelt sich alles zu einem Strudel aus Farben und Gefühlen. Meine Reise durch die Zukunft hat ein Ende.
Nun kenne ich endlich das Geheimnis, die Suche hat sich gelohnt.
Ich besitze nun das nötige Wissen…..das ewige Leben ist mein.

Akt 4 – Die Inquisition

Eine Prozession des Todes nähert sich meinem Unterschlupf, meinem kleinen Reich. Die Inquisition. Mönche mit braunen Kutten, selbsternannte Söldner Gottes. Ihr Weg wird durch eine blutige Spur gekennzeichnet, wie die meinige. Folter und Tod als Instrument der Wahrheit. Menschen die auf bestialische Weise als Hexen und Ketzer hingerichtet wurden, auf grausame Art und Weise gefoltert und dann im Namen Gottes geopfert.
Sie hassen Meinesgleichen und sehen dabei nicht, wie ähnlich sie uns sind.
Meine größten Feinde, die nach meinem Tod lechzen. Sie wollen Rache für den Mord an dem jungen Priester. Mit Freuden denke ich an dieses Mahl zurück, er war mein erstes Opfer, viele weitere folgten.
Unaufhaltsam nähern sie sich meiner Kirche, haben meine Spur aufgenommen. Ich weiß, daß sie mich töten wollen, doch es ist noch zu früh für mich. Sie werden es schaffen, damit sich die Prophezeiung erfüllen kann. Doch noch ist es zu früh, es gibt noch soviel zu lernen.
Zum ersten mal verspüre ich Angst, Angst davor, daß mein Wissen nicht reicht. Eine Mischung aus Glück und Angst schleicht sich in meinen Kopf, verwirrt meine Gedanken. Kommende Qualen, die mir die Erlösung bringen werden.
Die Todesgesänge der Mönche werden immer lauter, sie haben mich entdeckt, doch ich werde es ihnen nicht leicht machen. Ich werde noch mit ihnen spielen, bevor ich mich meinem Schicksal hingebe.
Ich flüchte vor ihnen, die Jagd kann beginnen.
Die Beute bin diesmal ich selber, doch sie werden Opfer bringen müssen. Ein mächtiger Feind, den sie nur schwer besiegen werden.
Einige ihrer Knechte fallen mir zum Opfer, ein grausamer Tod ereilt sie, sie hatten keine Chance. Ihre Köpfe vom Rumpf abgetrennt, der Boden ein See aus ihrem Blut. Lachend reiße ich ihnen ihre Herzen aus den toten Leibern, zerquetsche ihre Herzen und labe mich an ihrem Blute. Ein Festmahl für Geist und Körper, necrophile Gelüste werden in mir wach.
Ihre Bluthunde jagen mich jedoch weiter, kommen immer näher. Hungrige Bestien, die meine Spur aufgenommen haben und erst aufgeben werden, wenn sie mich gestellt haben oder der Tod sie ereilt. Sie wollen mir den Tod bringen, so wie ich den ihren bringen werde.
Sie haben mich eingeholt, springen mir entgegen. Ihre Krallen bohren sich in meine Haut, sie wollen meine Kehle zerfetzen. Zurückgerufen von ihren Herren, die mich in Ketten legen.
Ein blutüberströmter Körper, der von ihnen verhöhnt wird. Ein weiterer Ketzer, der im Namen Gottes getötet werden soll, doch sie wissen nicht, daß sie mich damit zu ihrem größten Feind machen. Als Sohn des Teufels werde ich wiedergeboren, um ihnen den Tod zu bringen und die Welt zu unterjochen. Noch lachen sie mich aus, doch ich sehe schon ihren qualvollen Tod…..denn mein Reich wird kommen.

Akt 5 – Das Verließ

Ein kleiner dunkler Raum, gefüllt mit dem Geruch des Todes. Nur ein kleines Fenster läßt weiße Lichtstrahlen herein. Sie bilden weiße Balken auf denen der Staub tanzt. Aus der Ferne hallen Schreie. Todesschreie, erzeugt durch die Folter, die Waffe der Inquisition, die ich schon überstanden habe. Mit undendlich vielen blutenden Wunden überzogen sitze ich hier mit schweren Stahlketten an die Wand gekettet.
Alleine gelassen mit meinen Schmerzen und Gedanken.
Alleine gelassen mit Ratten und Schaben, die meine Wunden lecken, die von meinen Blut trinken und mein Fleisch sezieren. Viel zu hungrig, als daß sie Angst vor mir hätten.
Sie bohren sich in mein Fleisch, wollen mich ganz verzehren.
Unendliche Qualen, die mich auf den Tod vorbereiten. Einen Tod, der mich endlich von all den weltlichen Qualen erlösen wird.
Von den Folterknechten wurde ich als Hexer gebrandmarkt. Sie brannten mir mit glühendem Stahl das Zeichen des Bösen in meine Haut. Das umgedrehte Pentagramm, welches zu leben beginnt.
Die weiße Maske erscheint wieder vor meinen Augen. Der Bote des Todes, der mein Blut aus meinem Leib saugt und mich aus dem Kelch des ewigen Lebens trinken läßt. Ein Kelch mit mystischen Symbolen, gefüllt mit schwarzem Wasser. Das Wasser, das aus purem Haß besteht, das Elixier des Bösen, der ewigen Macht.
Der Todesengel reicht mir den Kelch und ich trinke daraus. Das Wasser scheint mich von innen aufzufressen, genau wie in meinen Visionen. Es tötet sämtliche menschlichen Gefühle und Regungen ab. Die Vorstufe der Verwandlung hat begonnen. Die Wunden beginnen sich zu schließen, nur das getrocknete Blut als ihr stummer Zeuge. Die Ratten und Schaben werden von ihnen eingeschlossen, für immer in meinem Körper gefangen, den ewigen Qualen ausgesetzt.
Als Vorboten meiner kommenden Macht über Leben und Tod…..die Verwandlung hat begonnen.

- Feuertaufe

Die liebliche Stille des Verlieses wird unterbrochen. Mönche in braunen Kutten kommen, um mich zu holen. Sie wollen mich auf meinen letzten Weg geleiten. Befreien mich von meinen Ketten, das Ende ist nahe.
Sie stimmen ihre zeremoniellen Gesänge an und wundern sich über mein Lächeln im Gesicht. Ein Lächeln, als Hohn für die Menschheit.
Sie zerren mich zum Scheiterhaufen, ketten mich wieder an. Ich soll von Satan abschwören und sie würden meine Seele der Obhut Gottes anvertrauen. Bekehren soll ich mich, vor meinem Tode noch zu ihrem erbärmlichen, schwachen Gott beten. Als Antwort erhalten sie nur mein verächtliches Lachen.
Das Holz wird entzündet, die Flammen beginnen ihr Werk der Vernichtung. Durch den aufsteigenden Rauch sehe ich die Heuchler, höre ihre falschen Gesänge. Die Flammen beginnen mein Fleisch zu verzehren, ich spüre keine Schmerzen und warte auf die Erfüllung der Prophezeiung.
Der Rauch verformt sich zu einem grauen Strudel. Mein Geist verläßt meinen Körper und überläßt ihn den Flammen zum Fraß. Ich betrete eine neue Dimension, die Welt der Dämonen, meine Welt.
Vor mir liegt der verlassene Körper eines toten Engels. Sein liebliches Gesicht von Schmerzen verzerrt, seine bleiche, zarte Haut mit seinem Blut überströmt. Er wurde vernichtet, damit ich seinen Körper besiedeln kann, der Sohn des Teufels in der Gestalt eines toten Engels.
Die Prophezeiung hat sich erfüllt.
Nun endlich bin ich der Sohn Satanas, der Engel des Todes.
Und nun warte ich darauf, daß mich ein Mensch auf die Erde ruft, damit ich dort eine Welt aus Blut und Tod gründen kann.
Das Ende wird kommen.
Der mächtigste Engel wird euch allen die Vernichtung bringen.
Der Engel des Todes wurde geboren, um euch zu vernichten…. sobald die Zeit reif ist.

This entry was posted on Monday, August 23rd, 2010 at 4:04 pm and is filed under Geschichten von LS. You can follow any responses to this entry through the RSS 2.0 feed. You can leave a response, or trackback from your own site.

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